⚖️ Rechtlicher Ratgeber 2026
10 Min. Lesezeit Aktualisiert: Januar 2026

Betrug melden

Schritt-für-Schritt-Anleitung mit allen wichtigen Meldestellen & Kontakten

Sie sind Opfer eines Betrugs geworden? Schnelles Handeln ist jetzt entscheidend! In diesem Ratgeber erfahren Sie genau, wie Sie Betrug richtig melden, welche Beweise Sie sammeln müssen, wo Sie Anzeige erstatten können und wie Sie Ihre Rechte durchsetzen.

Betrug melden auf einen Blick

24/7

Online-Anzeige möglich

3 Monate

Durchschnittliche Bearbeitungszeit

Kostenfrei

Anzeigenerstattung immer gratis

§263 StGB

Straftat: Bis 5 Jahre Haft

Ringo Dühmke
Beitrag von:
Ringo Dühmke
Finanzredakteur & Verbraucherschutz-Experte

Warum Sie Betrug immer melden sollten

Jeder Betrug sollte gemeldet werden – auch wenn der Schaden gering erscheint. Viele Betroffene scheuen den Aufwand oder glauben, dass die Polizei ohnehin nichts tun kann. Doch das ist ein Trugschluss! Eine Anzeige ist wichtig für:

Ermittlungen & Statistik

Ihre Anzeige hilft der Polizei, Muster zu erkennen und Betrugsnetzwerke aufzudecken

Andere schützen

Sie verhindern, dass weitere Personen Opfer derselben Betrüger werden

Schadensersatz

Nur mit Anzeige können Sie später Schadensersatz geltend machen

Versicherung & Bank

Anzeige ist oft Voraussetzung für Erstattungen durch Bank oder Versicherung

🚨 Wichtig:

Eine Anzeige zu erstatten kostet Sie nichts und verpflichtet Sie zu nichts weiter. Sie können nicht bestraft werden, weil Sie auf Betrüger hereingefallen sind – im Gegenteil: Sie sind das Opfer und haben Anspruch auf Schutz und Unterstützung!

📊 Aktuelle Zahlen (2025):

In Deutschland wurden 2025 über 2,1 Millionen Betrugsfälle gemeldet – mit einem Gesamtschaden von über 4,2 Milliarden Euro. Die Dunkelziffer liegt jedoch deutlich höher, da viele Betrugsopfer keine Anzeige erstatten.

1. Sofortmaßnahmen: Beweise sichern & Schaden begrenzen

Was Sie unmittelbar nach dem Betrug tun sollten

Je schneller Sie handeln, desto besser! Die ersten Stunden nach einem Betrug sind entscheidend, um Beweise zu sichern und den Schaden zu begrenzen. Folgen Sie dieser Checkliste:

1

Ruhe bewahren & keine vorschnellen Aktionen

Auch wenn Sie schockiert oder wütend sind: Überstürzen Sie nichts. Löschen Sie keine E-Mails, Nachrichten oder Profile. Brechen Sie den Kontakt zu Betrügern nicht emotional ab – dokumentieren Sie lieber weiter.

⚠️ Achtung: Betrüger könnten versuchen, Sie zu weiteren Zahlungen zu drängen ("Gebühren für die Rückzahlung" etc.). Zahlen Sie auf keinen Fall noch mehr Geld!

2

Alle Beweise dokumentieren & sichern

Sammeln Sie ALLE Unterlagen und erstellen Sie Kopien. Diese Beweise sind für Polizei, Bank und Versicherung unverzichtbar:

E-Mails & Nachrichten

Alle E-Mails, SMS, WhatsApp-Chats speichern (Screenshots + Original-Dateien)

Rechnungen & Quittungen

Alle Zahlungsbelege, Überweisungen, Kontoauszüge

Webseiten & URLs

Screenshots der betrügerischen Webseiten, URLs notieren, Archivieren mit archive.org

Telefonnummern & Kontakte

Alle Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Profile der Betrüger notieren

Persönliche Daten

Namen, Adressen, Firmennamen der Betrüger (auch wenn wahrscheinlich gefälscht)

Zeitlicher Ablauf

Chronologie der Ereignisse mit Daten und Uhrzeiten dokumentieren

💡 Profi-Tipp:

Erstellen Sie einen dedizierten Ordner (digital & ausgedruckt) mit allen Beweisen. Nummerieren Sie die Dokumente durch und erstellen Sie ein Inhaltsverzeichnis. Das erleichtert Ihnen und der Polizei die Arbeit enorm!

3

Schaden sofort begrenzen

Handeln Sie schnell, um weiteren Schaden zu verhindern:

Bei Bankbetrug: Sofort sperren!

Rufen Sie den Sperr-Notruf 116 116 an (24/7 erreichbar). Sperren Sie Karten, Online-Banking, TANs.

Mehr Details im Ratgeber "Phishing erkennen"

Zahlungen zurückfordern

Bei Lastschriften: Innerhalb von 8 Wochen widersprechen (bei unautorisierten bis 13 Monate)

Bei Überweisungen: Sofort Bank kontaktieren – manchmal kann die Zahlung noch gestoppt werden

Passwörter ändern

Ändern Sie ALLE Passwörter – besonders bei Bank, E-Mail, PayPal, Amazon, Social Media

Accounts sichern

Aktivieren Sie Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) überall, wo Sie sie noch nicht nutzen

SCHUFA-Auskunft anfordern

Bei Identitätsdiebstahl: Kostenlose SCHUFA-Selbstauskunft beantragen und auf unbefugte Einträge prüfen

4

Bank & Versicherung informieren

Informieren Sie umgehend Ihre Bank und – falls vorhanden – Ihre Rechtsschutzversicherung:

Ihre Bank

  • ✓ Schildern Sie den Betrugsfall schriftlich
  • ✓ Fordern Sie Erstattung der Beträge
  • ✓ Berufen Sie sich auf § 675u BGB (unautorische Zahlungen)
  • ✓ Setzen Sie eine Frist von 2 Wochen

Rechtsschutzversicherung

  • ✓ Melden Sie den Schadensfall
  • ✓ Klären Sie Kostenübernahme für Anwalt
  • ✓ Fragen Sie nach Unterstützung im Verfahren
  • ✓ Reichen Sie alle Unterlagen ein

⚠️ Wichtige Fristen:

Lastschrift widerrufen: 8 Wochen (bei unautorisierten Abbuchungen: 13 Monate)

Kreditkarten-Chargeback: Je nach Anbieter 60-120 Tage

PayPal Käuferschutz: 180 Tage nach Zahlung

Beweis-Checkliste zum Abhaken

2. Anzeige erstatten: Online-Wache, Polizei & Verbraucherschutz

Wo und wie Sie Betrug offiziell melden

Sie haben drei Hauptwege, um Betrug zu melden: Online-Wache, persönlich bei der Polizei oder bei spezialisierten Meldestellen. Wir erklären Ihnen alle Optionen und ihre Vor- und Nachteile.

Option 1: Online-Anzeige bei der Internetwache

Online-Wache der Polizei

24/7 verfügbar

Die schnellste und bequemste Methode: Erstatten Sie Anzeige online über die Internetwache Ihres Bundeslandes – von zu Hause aus, rund um die Uhr.

Vorteile der Online-Anzeige:

  • 24/7 erreichbar – Sie können jederzeit Anzeige erstatten
  • Von zu Hause – Kein Gang zur Polizeiwache nötig
  • Keine Wartezeiten – Formular in Ruhe ausfüllen
  • Dokumente hochladen – Beweise direkt digital übermitteln
  • Aktenzeichen sofort – Sie erhalten umgehend eine Bestätigung

Nachteile:

  • Keine persönliche Beratung – Sie müssen das Formular selbst ausfüllen
  • Komplexe Fälle schwierig – Bei sehr umfangreichen Betrugsgeschichten kann es kompliziert werden
  • Nicht für Notfälle – Bei akuter Gefahr immer 110 wählen!

So geht's: Schritt-für-Schritt-Anleitung

1
Internetwache Ihres Bundeslandes aufrufen

Suchen Sie "Internetwache + Ihr Bundesland" oder nutzen Sie die Links unten

2
"Anzeige erstatten" auswählen

Klicken Sie auf "Strafanzeige" oder "Betrug melden"

3
Formular ausfüllen

Geben Sie Ihre persönlichen Daten, Tathergang und alle bekannten Details zu den Betrügern ein

4
Beweise hochladen

Fügen Sie Screenshots, E-Mails, Kontoauszüge als PDF oder Bilddateien hinzu

Anzeige absenden & Aktenzeichen notieren

Sie erhalten eine Bestätigung mit Aktenzeichen per E-Mail – unbedingt aufbewahren!

Internetwachen der Bundesländer

Option 2: Persönlich zur Polizeiwache

Anzeige vor Ort bei der Polizei

Besuchen Sie jede beliebige Polizeiwache in Deutschland – Sie müssen nicht zu Ihrer örtlich zuständigen Dienststelle gehen. Die Polizei MUSS Ihre Anzeige aufnehmen.

Vorteile:

  • ✓ Persönliche Beratung durch Beamte
  • ✓ Komplexe Sachverhalte leichter erklären
  • ✓ Direkte Rückfragen möglich
  • ✓ Psychologisch: "Man nimmt mich ernst"

Nachteile:

  • ✗ Öffnungszeiten beachten
  • ✗ Möglicherweise Wartezeiten
  • ✗ Anfahrt nötig
  • ✗ Aufregung im persönlichen Gespräch

💡 Tipp für den Polizei-Besuch:

Bringen Sie alle gesammelten Beweise mit (am besten als Ordner organisiert). Schreiben Sie sich vorab eine Zeitleiste der Ereignisse auf – das hilft Ihnen, nichts zu vergessen und erleichtert die Anzeigenaufnahme erheblich.

Option 3: Meldestellen & Verbraucherschutz

Zusätzliche Meldestellen für spezielle Betrugsfälle

Neben der Polizei gibt es spezialisierte Stellen, die bei bestimmten Betrugsarten helfen und Ihre Meldung weiterverarbeiten.

Bundesnetzagentur (Rufnummernmissbrauch, Spam)

Bei betrügerischen Anrufen, SMS-Spam, Ping-Calls

www.bundesnetzagentur.de
Verbraucherzentrale

Rechtliche Beratung, Unterstützung bei Verbraucherbetrug, Hilfe bei Durchsetzung von Ansprüchen

www.verbraucherzentrale.de
Europäisches Verbraucherzentrum (ECC)

Bei Online-Shopping-Betrug aus dem EU-Ausland

www.evz.de
Watchlist Internet (Warndienst)

Meldestelle für Internet-Betrug (Österreich), informiert über aktuelle Betrugsfälle

www.watchlist-internet.at

📌 Wichtig zu wissen:

Meldungen bei Verbraucherschutzstellen ersetzen NICHT die Strafanzeige bei der Polizei! Sie sollten beides tun: Anzeige erstatten UND zusätzlich Verbraucherschutzstellen informieren – so erhöhen Sie Ihre Chancen auf Unterstützung und Schadensersatz.

3. Ihre Rechte durchsetzen: Schadensersatz & weitere Schritte

Was nach der Anzeige passiert und wie Sie Ihr Geld zurückbekommen

Was passiert nach der Anzeige?

Nach der Anzeigenerstattung beginnen die Ermittlungen. Hier ist ein realistischer Überblick über den Ablauf:

1️⃣

Aktenzeichen & Eingangsbestätigung

Sie erhalten ein Aktenzeichen (meist sofort bei Online-Anzeige oder per Post). Bewahren Sie es gut auf – Sie benötigen es für alle weiteren Schritte.

2️⃣

Ermittlungen der Polizei

Die Polizei prüft Ihre Anzeige und leitet Ermittlungen ein. Dies kann je nach Komplexität Wochen bis Monate dauern.

Realität: Bei kleineren Betrugsfällen (unter 500€) werden oft keine intensiven Ermittlungen durchgeführt, da die Täter häufig im Ausland sitzen und kaum zu fassen sind. Die Anzeige bleibt aber wichtig für Statistiken und Ihre eigenen Rechte!

3️⃣

Staatsanwaltschaft entscheidet

Die Staatsanwaltschaft prüft, ob Anklage erhoben wird. Sie haben das Recht, über den Stand informiert zu werden.

4️⃣

Verfahren oder Einstellung

Entweder kommt es zu einem Gerichtsverfahren (bei Täterermittlung) oder das Verfahren wird eingestellt (z.B. bei unbekanntem Täter).

⚠️ Wichtig: Eine Verfahrenseinstellung bedeutet NICHT, dass Ihre Anzeige unberechtigt war! Oft können Täter einfach nicht ermittelt werden (z.B. bei Phishing aus dem Ausland).

So bekommen Sie Ihr Geld zurück

Die strafrechtliche Anzeige ist nur ein Teil. Für die Rückerstattung Ihres Geldes müssen Sie aktiv Ihre zivilrechtlichen Ansprüche geltend machen:

Bank kontaktieren & Rückbuchung fordern

Bei unautorisierten Abbuchungen haben Sie rechtlichen Anspruch auf Erstattung nach § 675u BGB.

So gehen Sie vor:
  1. Schriftlich (per E-Mail oder Brief) Ihrer Bank den Betrugsfall schildern
  2. Kopie der Strafanzeige (Aktenzeichen) beifügen
  3. Auf § 675u BGB (Haftung bei unautorisierten Zahlungen) berufen
  4. Frist setzen: "Bitte erstatten Sie den Betrag bis [Datum in 14 Tagen]"
  5. Bei Ablehnung: Beschwerde bei BaFin oder Ombudsmann einreichen

✅ Gute Chancen bei:

• Lastschrift-Betrug (Widerruf binnen 8 Wochen oder 13 Monate bei unautorisierten Abbuchungen)

• Kreditkarten-Betrug (Chargeback-Verfahren)

• PayPal-Käuferschutz (180 Tage Zeit)

⚠️ Schwierig bei:

• Freiwilligen Überweisungen (Sie haben selbst überwiesen, wenn auch unter Täuschung)

• Bargeld-Übergaben

• Kryptowährungs-Zahlungen (meist nicht rückverfolgbar)

Zivilklage gegen die Betrüger

Falls die Täter ermittelt wurden, können Sie Schadensersatz einklagen.

Voraussetzungen:
  • ✓ Die Täter sind bekannt (durch polizeiliche Ermittlungen)
  • ✓ Sie haben einen Schaden erlitten
  • ✓ Sie können den Schaden beziffern und beweisen

💡 Wichtig:

Zivilklagen kosten Geld (Anwalts- & Gerichtskosten). Prüfen Sie mit Ihrer Rechtsschutzversicherung, ob die Kosten übernommen werden. Bei kleinen Beträgen lohnt sich eine Klage oft nicht.

Versicherung prüfen

Manche Versicherungen decken Betrugsschäden ab.

Mögliche Versicherungen:
  • Hausratversicherung: Teilweise Schutz bei Internet-Betrug (Zusatzbaustein prüfen)
  • Rechtsschutzversicherung: Übernahme von Anwalts- und Gerichtskosten
  • Cyber-Versicherung: Speziell für Online-Betrug (noch selten in Deutschland)

Wichtige Kontakte & Anlaufstellen

Stelle Wann kontaktieren? Kontakt
Polizei / Internetwache Strafanzeige erstatten 110 (Notruf) / Bundesland-Internetwache
Sperr-Notruf Karten/Banking sperren 116 116 (24/7)
Verbraucherzentrale Rechtliche Beratung 0211 / 3809-0
BaFin (Bankenaufsicht) Beschwerde gegen Bank 0228 / 4108-0
Bundesnetzagentur Telefon-/SMS-Spam 030 / 22480-500
Ombudsmann Banken Streitschlichtung mit Bank www.bankenombudsmann.de
Opferhilfe Deutschland Psychologische Unterstützung 116 006 (kostenlos)

Ihre Rechte als Betrugsopfer

Auskunftsrecht

Sie haben das Recht, über den Stand der Ermittlungen informiert zu werden. Fragen Sie bei der Polizei mit Ihrem Aktenzeichen nach.

Opferschutz

Sie können als Nebenkläger am Strafverfahren teilnehmen und so Ihre Ansprüche direkt im Strafprozess geltend machen.

Schadensersatz

Sie haben Anspruch auf Schadensersatz gegen die Täter – auch für entgangene Zinsen und Folgekosten (z.B. Anwaltskosten).

Psychologische Hilfe

Betrugsopfer haben Anspruch auf kostenlose psychologische Betreuung über den Weißen Ring (116 006) oder andere Opferhilfe-Organisationen.

✅ Das Wichtigste in Kürze:

  • Schnell handeln: Beweise sichern, Bank & Polizei sofort informieren
  • Anzeige ist kostenfrei: Sie haben nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen
  • Zivilrecht nutzen: Strafrechtliche Anzeige + zivilrechtliche Ansprüche geltend machen
  • Hilfe holen: Verbraucherzentrale, Rechtsanwalt oder Rechtsschutzversicherung einschalten
  • Nicht aufgeben: Auch wenn Ermittlungen eingestellt werden – Bank kann trotzdem erstatten
⚖️

Betrug melden & Ihre Rechte durchsetzen!

Mit dieser Anleitung wissen Sie genau, wie Sie vorgehen müssen