Steuerklasse und Freibeträge – einfach erklärt für Azubis
Welche Steuerklasse hast du? Wie viel bleibt netto übrig? Alles über Steuern in der Ausbildung
Als Azubi bekommst du dein erstes eigenes Gehalt – und plötzlich ist da weniger drauf als erwartet. Warum? Steuern und Sozialabgaben! In diesem Ratgeber erklären wir dir, welche Steuerklasse du hast, welche Freibeträge dir zustehen und wie du mit einer Steuererklärung Geld vom Finanzamt zurückholst. Verständlich und ohne Fachchinesisch!
Das Wichtigste auf einen Blick
Steuerklasse I
Als Azubi bist du in Steuerklasse 1 – außer du bist verheiratet
12.348€ steuerfrei
Bis zu diesem Grundfreibetrag zahlst du 2026 keine Steuern
Steuererklärung lohnt!
Durchschnittlich 1.000€ Steuererstattung im ersten Jahr
Inhaltsverzeichnis
Steuerklassen verstehen – Welche gilt für dich?
In Deutschland gibt es 6 Steuerklassen – aber welche ist für dich als Azubi relevant?
Was ist eine Steuerklasse überhaupt?
Die Steuerklasse bestimmt, wie viel Lohnsteuer dein Arbeitgeber jeden Monat von deinem Gehalt abzieht und ans Finanzamt überweist. Sie richtet sich nach deinem Familienstand (ledig, verheiratet, Kinder, etc.).
💡 Wichtig zu wissen:
Die Steuerklasse bestimmt nur, wie viel monatlich abgezogen wird – nicht, wie viel Steuern du am Ende wirklich zahlen musst! Die tatsächliche Steuerlast wird mit der Steuererklärung berechnet. Deshalb können Azubis oft Geld zurückbekommen!
Die 6 Steuerklassen im Überblick
Steuerklasse 1 – Für die meisten Azubis
Wer: Ledige, geschiedene, verwitwete (ohne Kind)
Das bist du als: Alleinstehender Azubi ohne Kind
✅ Das ist die Standard-Steuerklasse für Azubis! In der Regel bist du hier automatisch eingetragen, wenn du deine Ausbildung startest.
Steuerklasse 2 – Alleinerziehende
Wer: Alleinerziehende mit Kind(ern) im Haushalt
Vorteil: Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (4.260€/Jahr)
⭐ Für Azubis mit Kind: Du zahlst weniger Steuern durch den Entlastungsbetrag. Musst du beim Finanzamt beantragen!
Steuerklasse 3 – Verheiratet (höheres Einkommen)
Wer: Verheiratete, wenn Partner Steuerklasse 5 hat
Vorteil: Niedrigste Steuerlast – gut, wenn einer viel mehr verdient
💚 Für verheiratete Azubis: Wenn dein Partner/deine Partnerin mehr verdient, sollte er/sie Steuerklasse 3 wählen.
Steuerklasse 4 – Verheiratet (gleiches Einkommen)
Wer: Beide Partner verheiratet und verdienen ähnlich viel
Kombination: Beide haben Steuerklasse 4
Steuerklasse 5 – Verheiratet (niedrigeres Einkommen)
Wer: Der Partner mit weniger Einkommen, wenn der andere Steuerklasse 3 hat
Nachteil: Höchste Steuerlast
Steuerklasse 6 – Zweiter Job (Nebenjob)
Wer: Für jeden zusätzlichen Job (Minijob ausgenommen)
Nachteil: Höchste Abzüge – keine Freibeträge
✅ Fazit für Azubis:
95% aller Azubis sind in Steuerklasse 1. Nur wenn du verheiratet bist oder alleinerziehend mit Kind, kommen andere Steuerklassen in Frage. Die Steuerklasse wird automatisch beim Ausbildungsstart eingetragen – du musst nichts tun!
Wo finde ich meine Steuerklasse?
1. Auf deiner Lohnabrechnung
Schau auf deine monatliche Gehaltsabrechnung – dort steht die Steuerklasse ganz oben, meist bei "Steuerdaten" oder "StKl".
2. In deiner elektronischen Lohnsteuerbescheinigung (ELStAM)
Seit 2013 gibt es keine Lohnsteuerkarte mehr auf Papier. Die Daten sind elektronisch beim Finanzamt gespeichert (ELStAM = Elektronische LohnSteuerAbzugsMerkmale).
3. Online über ELSTER abrufen
Geh auf www.elster.de → Registrieren → "ELStAM-Daten abrufen" → Dort siehst du deine Steuerklasse.
Freibeträge nutzen – Wie viel bleibt netto?
Freibeträge sorgen dafür, dass du weniger Steuern zahlst – das musst du wissen!
Was ist ein Freibetrag?
Ein Freibetrag ist ein Betrag, bis zu dem du keine Steuern zahlen musst. Der Staat sagt: "Die ersten X Euro deines Einkommens sind steuerfrei – erst darüber hinaus musst du Steuern zahlen."
Die wichtigsten Freibeträge für Azubis (2024-2026)
1. Grundfreibetrag
Das ist der wichtigste Freibetrag! Bis zu dieser Grenze zahlst du 0€ Steuern.
💡 Bedeutet für dich (2025): Verdienst du weniger als 1.008€ brutto im Monat (= 12.096€ im Jahr), zahlst du überhaupt keine Lohnsteuer! Sozialabgaben (Renten-, Kranken-, Pflegeversicherung) fallen aber trotzdem an.
2. Arbeitnehmerpauschbetrag (Werbungskosten)
Für Kosten rund um deinen Job (Fahrt zur Arbeit, Arbeitskleidung, etc.) – automatisch angerechnet, ohne Nachweise!
💡 Bedeutet für dich: Diese 1.230€ werden automatisch von deinem zu versteuernden Einkommen abgezogen – auch wenn du gar keine Belege hast! Hast du höhere Kosten (z.B. weite Fahrt zur Berufsschule), kannst du mit Steuererklärung mehr absetzen.
3. Sonderausgabenpauschbetrag
Für Versicherungen, Spenden, Kirchensteuer – ebenfalls automatisch angerechnet.
4. Entlastungsbetrag für Alleinerziehende
Nur für Azubis in Steuerklasse 2 (alleinerziehend mit Kind im Haushalt).
⚠️ Wichtig: Musst du beim Finanzamt beantragen! Geht nicht automatisch.
5. Kinderfreibetrag
Für Eltern mit Kind(ern) – wirkt sich erst in der Steuererklärung aus.
Brutto-Netto: Wie viel bleibt übrig?
Als Azubi willst du natürlich wissen: Wie viel landet am Ende auf meinem Konto? Schauen wir uns das an konkreten Beispielen an:
Beispielrechnung: Azubi mit 1.000€ brutto/Monat
💡 Warum 0€ Lohnsteuer? Du verdienst 1.000€ × 12 Monate = 12.000€ im Jahr. Das liegt unter dem Grundfreibetrag 2025 (12.096€) → keine Lohnsteuer! Durch den Arbeitnehmerpauschbetrag (1.230€) hättest du sogar noch mehr Spielraum.
Beispielrechnung: Azubi mit 1.200€ brutto/Monat
💡 Jetzt wird Lohnsteuer fällig: Bei 1.200€ × 12 = 14.400€ Jahreseinkommen liegst du über dem Grundfreibetrag. Du zahlst ca. 18€ Lohnsteuer pro Monat = 216€ im Jahr. Aber: Mit Steuererklärung kannst du dir das oft komplett zurückholen!
⚠️ Wichtig zu wissen:
Die größten Abzüge sind Sozialversicherungen (Renten-, Kranken-, Pflegeversicherung) – nicht die Lohnsteuer! Die Sozialabgaben fallen auch an, wenn du unter dem Grundfreibetrag liegst. Erst ab ~20% Lohnsteuer merkst du die Steuern wirklich.
Freibeträge eintragen lassen – So sparst du Steuern
Hast du hohe Werbungskosten (z.B. weite Fahrt zur Berufsschule), kannst du einen Freibetrag eintragen lassen. Dann zieht dein Arbeitgeber jeden Monat weniger Lohnsteuer ab – du hast mehr Netto!
Antrag ausfüllen
Formular "Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung" beim Finanzamt holen oder online ausfüllen (über ELSTER).
Belege sammeln
Nachweise für deine Kosten (z.B. Fahrtkosten, Arbeitsmittel, Versicherungen) beilegen.
Ans Finanzamt schicken
Antrag bis spätestens 30. November des Jahres beim Finanzamt einreichen.
Freibetrag wird eingetragen
Das Finanzamt trägt den Freibetrag in deine ELStAM ein – ab dem Folgemonat zahlst du weniger Lohnsteuer.
💡 Alternative: Steuererklärung machen
Für die meisten Azubis ist es einfacher, am Jahresende eine Steuererklärung zu machen – dann bekommst du die zu viel gezahlten Steuern auf einen Schlag zurück. Mehr dazu im nächsten Abschnitt!
Steuererklärung als Azubi – So holst du Geld zurück
Als Azubi ist die Steuererklärung freiwillig – aber sie lohnt sich fast immer!
Muss ich als Azubi eine Steuererklärung machen?
Pflicht zur Steuererklärung
Du musst eine Steuererklärung abgeben, wenn:
- Du einen Freibetrag eingetragen hast
- Du Lohnersatzleistungen über 410€ bekommen hast (z.B. Elterngeld, Krankengeld)
- Du zwei Jobs gleichzeitig hattest (einer in Steuerklasse 6)
Freiwillige Steuererklärung
Du kannst freiwillig eine Steuererklärung machen – und das lohnt sich fast immer:
- Durchschnittlich 1.000€ Erstattung im ersten Ausbildungsjahr
- Du hast 4 Jahre Zeit rückwirkend (z.B. für 2025 bis Ende 2029)
- Geht easy mit Apps wie WISO, Taxfix oder Steuerbot
✅ Fazit für Azubis:
Auch wenn du nicht musst – mach die Steuererklärung! Sie kostet dich 30-60 Minuten, bringt aber oft 500-1.500€ zurück. Das ist besser als jeder Nebenjob! 💰
Was kann ich als Azubi absetzen?
"Absetzen" bedeutet: Du ziehst diese Kosten von deinem zu versteuernden Einkommen ab – dadurch zahlst du weniger Steuern (oder bekommst mehr zurück).
1. Fahrtkosten zur Berufsschule / Arbeitsstätte
0,30€ pro Kilometer (einfache Strecke!) – egal ob Auto, Bahn, Fahrrad oder zu Fuß.
💰 Rechenbeispiel:
Entfernung: 15 km einfach
220 Arbeitstage im Jahr
Berechnung: 15 km × 0,30€ × 220 Tage = 990€ absetzbar!
2. Arbeitsmittel
Alles, was du für deine Ausbildung brauchst:
- • Laptop, Tablet, Smartphone (beruflich genutzt)
- • Fachliteratur, Lehrbücher, Fachzeitschriften
- • Schreibmaterial, Ordner, Taschenrechner
- • Werkzeug, Berufskleidung (z.B. Sicherheitsschuhe)
💡 Tipp: Bei teuren Geräten (über 800€ netto): Wird über mehrere Jahre abgeschrieben. Laptop für 1.200€ → 3 Jahre → 400€/Jahr absetzbar.
3. Bewerbungskosten (aus dem Vorjahr)
Kosten für Bewerbungen um den Ausbildungsplatz:
- • Bewerbungsfotos (20-30€)
- • Bewerbungsmappen, Porto
- • Fahrtkosten zu Vorstellungsgesprächen
4. Verpflegungsmehraufwand (bei auswärtiger Unterbringung)
Wenn du für die Berufsschule im Internat oder Wohnheim wohnst (mehr als 8 Std. weg von zu Hause):
- • Erste 3 Monate: 28€ pro Tag (bei 24 Std. Abwesenheit)
- • Ab 4. Monat: Nur noch doppelte Haushaltsführung absetzbar
5. Kontoführungsgebühren
Pauschal 16€ pro Jahr – auch wenn dein Konto kostenlos ist!
6. Versicherungen
Folgende Versicherungen kannst du absetzen:
- • Haftpflichtversicherung
- • Berufsunfähigkeitsversicherung
- • Unfallversicherung (beruflicher Teil)
- • Rechtsschutzversicherung (Arbeitsrechtsschutz)
Realistische Erstattung: Was bekommst du zurück?
Beispiel-Azubi, 1. Ausbildungsjahr:
💰 Erwartete Steuererstattung:
Du bekommst die 216€ gezahlte Lohnsteuer komplett zurück!
💡 Warum nicht mehr zurück? Du hast nur 216€ Lohnsteuer gezahlt – mehr als das bekommst du nicht zurück. Die 1.676€ Kosten mindern dein zu versteuerndes Einkommen auf 0€ → komplette Steuererstattung! Hättest du mehr Steuern gezahlt (z.B. bei höherem Gehalt), wäre die Erstattung höher.
Steuererklärung erstellen – So geht's Schritt für Schritt
Unterlagen sammeln
Du brauchst:
- • Lohnsteuerbescheinigung (bekommst du vom Arbeitgeber bis Ende Februar)
- • Belege für Fahrtkosten (Adresse Berufsschule/Betrieb reicht)
- • Rechnungen für Arbeitsmittel, Versicherungen
- • Kontoauszüge (falls nötig)
Steuersoftware wählen
Empfehlung für Azubis: Apps machen es super einfach!
WISO Steuer
~40€/Jahr, sehr einsteigerfreundlich
Taxfix
39,99€, super einfache App
ELSTER (kostenlos)
Offizielles Tool, etwas komplizierter
Daten eingeben
Die App führt dich durch – einfach Fragen beantworten:
- • Persönliche Daten (Name, Adresse, Steuer-ID)
- • Einkommen (Lohnsteuerbescheinigung abtippen oder fotografieren)
- • Werbungskosten (Fahrtkosten, Arbeitsmittel, etc.)
- • Sonderausgaben (Versicherungen, Spenden)
Abschicken & Geld bekommen
Erklärung elektronisch ans Finanzamt übermitteln. Nach 4-12 Wochen bekommst du:
Steuerbescheid per Post → Prüfen, ob alles stimmt → Geld kommt aufs Konto! 💰
✅ Zeitaufwand:
Als Azubi dauert die erste Steuererklärung ca. 30-60 Minuten mit einer App. Die Investition lohnt sich – du holst dir durchschnittlich 500-1.500€ zurück!
⚠️ Fristen beachten:
Wenn du nicht verpflichtet bist (freiwillige Steuererklärung): 4 Jahre Zeit rückwirkend. Für 2025 also bis 31.12.2029.
Wenn du verpflichtet bist: Bis 31. Juli des Folgejahres (mit Steuerberater/App: bis Ende Februar des übernächsten Jahres).
Häufig gestellte Fragen von Azubis
Muss ich als Azubi überhaupt Steuern zahlen?
Kommt drauf an! Verdienst du im Jahr weniger als den Grundfreibetrag, zahlst du keine Lohnsteuer:
- • 2024: 11.784€ (= 982€/Monat brutto)
- • 2025: 12.096€ (= 1.008€/Monat brutto)
- • 2026: 12.348€ (= 1.029€/Monat brutto)
Durch den Arbeitnehmerpauschbetrag (1.230€) kannst du sogar noch mehr verdienen ohne Lohnsteuer.
Aber: Sozialabgaben (Renten-, Kranken-, Pflegeversicherung) zahlst du ab dem ersten Euro!
Kann ich die Steuererklärung selbst machen oder brauche ich einen Steuerberater?
Als Azubi brauchst du keinen Steuerberater! Deine Steuererklärung ist einfach – du hast nur Einkommen aus der Ausbildung und ein paar Werbungskosten. Apps wie WISO, Taxfix oder Steuerbot reichen völlig und kosten nur 30-40€ statt 200-400€ beim Steuerberater.
Wie lange dauert es, bis ich meine Steuererstattung bekomme?
In der Regel 4-12 Wochen nach Abgabe der Steuererklärung. Das Finanzamt prüft deine Angaben und schickt dir dann den Steuerbescheid per Post. Das Geld kommt danach automatisch aufs Konto.
Was passiert, wenn ich die Steuererklärung nicht mache (obwohl ich nicht muss)?
Nichts Schlimmes! Bei freiwilliger Steuererklärung gibt es keine Strafe, wenn du sie nicht machst. Du verschenkst nur Geld – im Schnitt 500-1.500€, die das Finanzamt dir zurückzahlen würde.
Kann ich als Azubi die Kosten für den Führerschein absetzen?
Leider nein – in den meisten Fällen. Der Führerschein gilt als private Lebensführung und ist nicht absetzbar.
Ausnahme: Wenn du den Führerschein zwingend für deine Ausbildung brauchst (z.B. LKW-Führerschein für Berufskraftfahrer-Ausbildung) und der Arbeitgeber das bestätigt, könnte es klappen. Aber das ist sehr selten!
Steuerklasse ändern – wann und wie?
Du kannst deine Steuerklasse ändern, wenn sich deine Lebenssituation ändert:
- • Heirat → Steuerklasse 3/5 oder 4/4 wählen
- • Kind bekommen (alleinerziehend) → Steuerklasse 2
- • Scheidung → zurück zu Steuerklasse 1
Wie: Beim Finanzamt beantragen (Formular "Antrag auf Steuerklassenwechsel" oder online über ELSTER).
Jetzt Steuern sparen als Azubi!
Mit dem richtigen Wissen über Steuerklassen und Freibeträge holst du dir durchschnittlich 1.000€ vom Finanzamt zurück.
✓ Verständlich erklärt ✓ Praktische Tipps ✓ Geld zurückholen
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